Spätsommerliche Glücksgefühle – Hertha für Alle beim Finale des CampCups Brandenburg

Am frühen Morgen des 15. Oktobers 2017 fanden sich im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion die besten Straßenfußball-Teams von Geflüchteten aus diversen Erstaufnahmeeinrichtungen in Brandenburg zum Finale des CampCups ein.

Im Rahmen der „Interkulturellen Woche Potsdam“ und der „Football People action weeks 2017“ fand der CampCup Brandenburg statt. Dabei reisten die Initiatoren unter Mitwirkung der DRK-Flüchtlingshilfe Brandenburg, der Brandenburgischen Sportjugend im Landessportbund Brandenburg e.V. und dem SV Babelsberg 03 mit weiteren lokalen Sportvereinen zu drei Aufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete. Die Geflüchtetenteams traten auf kleinen Straßenfußball-Courts in kurzen Spielen mit 3 gegen 3 Spielerinnen und Spielern an und konnten sich so für die Teilnahme am Finale des CampCups auf dem Trainingsgelände des SV Babelsberg qualifizieren.

Das Turnier fand im Schatten des Karl-Liebknecht-Stadions statt.

Mit dabei war auch eine Delegation von Hertha für Alle (HfA), welche als Dank für ihre organisatorische Unterstützung eine Wildcard für die Teilnahme am Finalturnier erhielt. Topmotiviert, zum Teil aber auch leicht verkatert und ob der Frühe sehr verschlafen, machten wir uns am besagten Sonntag zu sechst auf dem Weg in das schöne Potsdam. Im Schlepptau hatten wir auch einige Jungs von “Champions ohne Grenzen” bzw. “Willkommen im Fußball”, welche ebenfalls eine Wildcard für das Turnier bekommen hatten. Mittels von Hertha gestellter Ausrüstung erweckte unsere Equipe auf den ersten Blick den Anschein einer hoch professionellen und spielerisch begabten Fußballmannschaft, was uns zumindest zunächst einigen Respekt verschafft haben sollte. Dass dieser erste Anschein jedoch keinesfalls zutraf, stellten wir eindrucksvoll im Eröffnungsspiel gegen die Nachwuchsmannschaft von Welcome United 03 unter Beweis. In nur vier Minuten Spielzeit schafften wir es, uns ganze sechs Tore einzufangen und nur eines selber zu erzielen. Die Live-Kommentare des Moderators (“Oh, oh - Das sieht nicht gut aus. Die Jungs von der Hertha brauchen eure Unterstützung. / Und schon wieder ein Tor für Babelsberg. Was ist denn mit Hertha los?”) gaben uns schlussendlich den Rest. Mit hängenden Köpfen machten wir uns moralisch schon auf ein frühes Turnier-Aus gefasst.

Dank motivierender Ansprachen unserer mitgereisten Betreuer rissen wir in den folgenden Spielen das Ruder jedoch herum. Nach einem spannenden 3-3 Unentschieden folgten zwei famose Siege. Im Penaltyschießen um Platz 1 in unserer Gruppe bewiesen wir ein starkes Nervenkostüm und konnten als Gruppen-Erster in die Viertelfinale einziehen. Deutscher Meister wird nur der B.S.C. - selbst der Moderator des Turniers war sichtlich überrascht.

Hertha bleibt jedoch Hertha - sowohl auf Vereins-, als auch auf Fanseite. So mussten wir uns in einem desaströsen Viertelfinale direkt 9-0 geschlagen geben, was mit Pfiffen und “Wir sind Herthaner und ihr nicht!”-Sprechchören unserer zahlreich mitgereisten Fans vollkommen zurecht quittiert wurde. Schande über unser Haupt!

Das Team von „Itehad“ aus der Unterkunft in Doberlug-Kirchhain sicherte sich mit seinen Spielern aus Libyen, Syrien, dem Sudan und Afghanistan schließlich den Pokal. Die fairsten Spieler kamen jedoch aus dem Iran: Die „Refugee Guys“ konnten sich den Fairplay-Pokal holen.

Erfolgreicher als das Hertha-für-Alle-Team waren einzelne Spieler von HfA jedoch im Tandem-Cup, wo jeweils ein deutscher Spieler mit einem Geflüchteten eine Mannschaft bildete. Im Finale standen sich - wie kann es auch anders sein - direkt zwei Teams mit jeweils einem HfA-Spieler gegenüber, sodass wir zumindest mit zwei Medaillen im Gepäck die Rückreise nach Berlin antreten konnte. Ehre gerettet - gerade nochmal so.

Dank geht an dieser Stelle raus an die Organisation des Turniers sowie an den Verein für die tatkräftige Unterstützung in Form von Ausrüstung und Preisen für die Gewinner des Turniers. Das Turnier bewies eindrucksvoll, wie einfach und gut Integration geflüchteter Menschen in die Gesellschaft funktionieren kann. In zahlreichen Gesprächen lernten wir viele interessante Menschen mit den unterschiedlichsten Geschichten und Hintergründen kennen. Eines war jedoch stets zu erkennen: Die Liebe zum Fußball einte uns immer.

Say it loud - Say it clear: Refugees are welcome here!

Pressemeldungen zum CampCup:
Potsdamer Nachrichten
Bündnis für Brandenburg

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