Sahar Khodayari – Blue Girl

Kein Ereignis erschüttert die Fußballwelt weltweit gerade so sehr wie der Tod des “Blue Girl” Sahar Khodayari.

Am 12. März dieses Jahres wollte Sahar Khodayari ihre Mannschaft Esteghlal Teheran in der asiatischen Champions League gegen al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützen. Da Frauen der Besuch von Fußballspielen im Ligabetrieb seit 1981 verboten ist, verkleidete sie sich, u.a. mit einer blauen Perücke, als Mann, um so ins Stadion zu gelangen. Dabei wurde sie am Stadioneingang festgenommen. Ihr wurde vorgeworfen, Widerstand gegen die Sicherheitskräfte geleistet zu haben. Deshalb musste sie einige Tage im Gefängnis verbringen, bevor sie auf Kaution freigelassen wurde. Am 2. September sollte Khodayaris Gerichtsverhandlung stattfinden, jedoch sagte der Richter aufgrund einer persönlichen Situation die Verhandlung kurzfristig ab. Sahar bekam trotzdem die Information, dass sie eine sechsmonatige Gefängnisstrafe erwarte. Als sie den Gerichtssaal verließ, holte sie eine Flasche mit einer brennbaren Flüssigkeit heraus, übergoss sich vor dem Gerichtsgebäude damit und setzte sich in Brand. Daraufhin wurde Sahar Khodayari mit Verbrennungen, welche besonders schwer waren und die über 90% ihren Körpers betrafen, ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Woche später erlag sie ihren Verletzungen.

Historischer Kontext

Mit der islamischen Revolution 1979 im Iran wurde im Jahr 1981 Frauen der Zutritt zu Fußballspielen der Herrenmannschaften verboten. In ihrer Begründung heißt es, dass diese Regelung getroffen wurde, um die Frauen vor der maskulinen Atmosphäre im Stadion zu beschützen. Dies war ein herber Rückschlag für die Frauenrechte im Iran, denn durch die sogenannte “Weiße Revolution” in den 1960ern durften Frauen wählen, Abtreibungen wurden legalisiert sowie das Scheidungsrecht überarbeitet.

Weltweite Reaktionen

In der deutschen und internationalen Presse stieß der Protest und besonders die Selbstverbrennung auf großes Medienecho. Auch viele Fanszenen setzten sich mit der Thematik auseinander. So solidarisierten sich unter anderem die Mainzer Ultras in der Partie gegen Hertha B.S.C. mit einem Spruchband: “Football is for everyone - In Iran and everywhere.” Auch die Ultras von Fortuna Düsseldorf und der BSG Chemie Leipzig äußerten sich mit Spruchbändern und prangerten so die Missstände im Iran ebenso an wie die Zurückhaltung der FIFA. Sie machten deutlich, dass Frauen genauso das Recht haben, zum Fußball zu gehen, wie Männer!

Die Mannschaft Esteghlal Teheran, der blaue Verein, solidarisierte sich ebenfalls mit Sahar Kodayari und trug zum letzten Spiel ein schwarzes T-Shirt mit einem blauen Herz und den Worten "Blue Girl” darauf. Das iranische Fernsehen weigerte sich, dieses Spiel zu übertragen, bis die Mannschaft das T-Shirt auszog.

Esteghlal Teheran mit dem"Blue Girl"-Shirt

Der AS Rom färbte für einen Tag das Wappen blau ein und sprach davon, dass nun die Zeit gekommen sei, dass jeder im Iran zum Fußball gehen dürfe und niemand ausgeschlossen gehöre.

Reaktion der FIFA

Obwohl die FIFA zur WM den Druck auf die iranische Regierung erhöhte, damit zur kommenden WM auch Frauen die Stadien besuchen dürfen, so übt sie in diesem Fall nicht genug Druck aus. Die iranische Protestbewegung fordert den Ausschluss der iranischen Nationalmannschaft aus allen Wettbewerben, falls die Regierung an den Stadionverboten für Frauen festhält. Die Statuten der FIFA geben dies auch her, da die Diskriminierung von Frauen verboten ist und demnach Sanktionen erfolgen müssen! Obwohl die Aussagen der FIFA sonst immer sehr schwammig sind, drücken sie sich in diesem Fall direkter aus. Trotzdem gibt es bisher keine wirkliche Reaktion. "Wir fordern die iranischen Behörden erneut auf, die Freiheit und Sicherheit aller Frauen zu gewährleisten, die an diesem legitimen Kampf zur Beendigung des Stadionverbots für Frauen im Iran beteiligt sind" 

Vor dem tragischen Vorfall diskutierte die aktuelle iranische Regierung darüber, dass Frauen an Qualifikationsspielen des Irans zur Weltmeisterschaft teilnehmen dürfen. Jedoch soll dies nicht auf Ligaspiele ausgeweitet werden. 

Für uns ist klar: Fußball ist ein Sport für alle Menschen. Egal, welches Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Alter. Niemand darf der Zugang zu dem Sport verwehrt werden, den wir alle lieben. Gerade durch solche Vorfälle müssen wir  Fußballfans weltweit zusammenhalten und diese Missstände und Ungerechtigkeiten bekämpfen. Fußball ist nicht mehr nur ein Sport für Männer. Immer mehr Frauen finden den Weg ins Stadion und unterstützen ihre Mannschaft mit der gleichen Leidenschaft. 

Jedes Stadionverbot, sei es durch ein generelles Verbot durch die Regierung im Iran oder durch staatliche Repressalien in Deutschland, reißt Menschen aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld. Während im Iran ein großer Teil der Bevölkerung ausgeschlossen wird, ist in Deutschland nur ein kleiner Teil an Fans betroffen. Doch auch hier kommt es dazu, dass Menschen aus dem Stadion ausgeschlossen und so am sozialen Miteinander gehindert werden. 

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